Wohnen in der Region Hannover: Drei neue Förderrichtlinien sollen helfen

2 Min. Lesezeit.

139.334 Haushalte in der Region Hannover gelten als finanzschwach, das sind 22,6 Prozent aller Haushalte. Für sie ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt besonders schwierig. Die Region Hannover hat dazu erstmals einen Wohnungsmarktbericht als systematische Bestandsaufnahme vorgelegt. Die Region nennt mehr Haushalte, mehr Alleinlebende und steigende Mieten bei zugleich sinkendem Wohnungsneubau. Mit drei neuen Förderrichtlinien will die Region die Kommunen künftig passgenauer unterstützen.

Mehr Einpersonenhaushalte, mehr große Familien

Von 2014 bis 2024 ist die Bevölkerung der Region um mehr als 57.000 Menschen gewachsen, rund fünf Prozent. Die Zahl der Einpersonenhaushalte stieg nach Angaben der Region um 11,4 Prozent, die der Haushalte mit mindestens fünf Personen sogar um 17,3 Prozent. Gebraucht würden daher vor allem kleine Wohnungen und ausreichend große Familienwohnungen, folgert die Region. Weil die Bevölkerung älter wird, wachse außerdem der Bedarf an barrierearmen und altersgerechten Angeboten. Entscheidend sei nicht allein, mehr Wohnungen zu schaffen, sondern welcher Wohnraum wo und für wen zur Verfügung stehe.

Das Sozialmonitoring 2026 der Region ergänzt den Bericht um die soziale Lage in den Städten und Gemeinden. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt danach recht stabil bei rund zwei Personen, die Haushaltsstrukturen verändern sich aber. Kennzahlen wie der Bezug von Mindestsicherungsleistungen und die Einkommen machen nach Angaben der Region deutlich, dass die Chancen auf bezahlbaren Wohnraum innerhalb der Region sehr unterschiedlich verteilt sind.

„Wir haben nicht nur ein Mengenproblem, sondern zunehmend auch ein Passungsproblem auf dem Wohnungsmarkt“, sagt Sozialdezernentin Anne Spiegel. „Eine Wohnung hilft einem Haushalt nur dann, wenn sie dort verfügbar ist, wo sie gebraucht wird, die richtige Größe hat und vor allem bezahlbar ist.“ Deshalb baue die Region ein gezieltes Wohnungsmarkt- und Sozialmonitoring aus und verbinde es mit einer strategischen Förderung.

Hilfe vom Grundstück bis zur Vergabe

Die erste der neuen Richtlinien setzt vor dem eigentlichen Bauprojekt an. Die Region finanziert etwa Planungen und Beratungen und unterstützt Kommunen beim Kauf geeigneter Grundstücke. So sollen Baulücken genutzt, vorhandene Flächen dichter bebaut oder nicht mehr benötigte Gebäude zu Wohnraum umgebaut werden können. Kommunen sollen Grundstücke früh sichern können, damit dort später geförderter, bezahlbarer Wohnraum entsteht.

Die zweite Richtlinie fördert neue Sozialwohnungen direkt, sei es durch Neubau oder durch Änderung und Erweiterung bestehender Gebäude. Angesprochen sind vor allem Genossenschaften, Stiftungen, Baugemeinschaften, Vereine und kommunale Wohnungsunternehmen. Ausdrücklich unterstützt werden sollen auch kleine und innovative Projekte sowie besondere Wohnformen. Die Bindung beträgt in der Regel 35 Jahre.

Das dritte Instrument ergänzt die Wohnraumförderung des Landes Niedersachsen. Die Region erwirbt zusätzliche Benennungs- und Besetzungsrechte an neu gebauten, landesgeförderten Wohnungen. Städte und Gemeinden können so gezielter Haushalte berücksichtigen, die trotz Wohnberechtigungsschein kaum eine Wohnung finden, etwa wohnungslose Menschen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen oder Frauen und Kinder nach Gewalterfahrungen.

Erste Richtlinie gilt bereits

Die drei Richtlinien gehören zur Weiterentwicklung des regionalen Wohnraumförderprogramms, die im April 2026 beschlossen wurde. Die Richtlinie zum Erwerb von Belegungsrechten gilt seit Dienstag, 6. Oktober 2026. Die beiden anderen sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Vorgesehen sind dafür insgesamt rund 9,65 Millionen Euro im Jahr.

Bildquellen

Nachrichten, Warnungen und Termine aus Hannover und der Region: Folgen Sie der Hannoverschen Rundschau auf Instagram und Facebook.

Auf Instagram folgenAuf Facebook folgen

Sie lesen gern lokale Nachrichten aus der Region Hannover? Wählen Sie die Hannoversche Rundschau bei Google als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Meldungen unter „Schlagzeilen“ häufiger.

Hannoversche Rundschau bei Google bevorzugen

NEUESTE MELDUNGEN

NEUESTE BERICHTE