Die Bürgermeister aus Sehnde, Algermissen und Harsum schalten sich offiziell in die Diskussion um den geplanten Wegfall der S-Bahn-Linie S4 zwischen Hannover und Hildesheim im Jahr 2027 ein. In einem gemeinsamen Brief fordern sie, den Ausfall kritisch zu überprüfen und ein tragfähiges Ersatz- beziehungsweise Verstärkungskonzept vorzulegen. Das teilt die Stadt Sehnde mit. Hintergrund sind Sanierungsarbeiten am Schienennetz; die Fahrgäste sollen auf die S3 ausweichen.
Unterzeichnet haben die amtierenden und die neu gewählten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, darunter Sehndes Bürgermeister Olaf Kruse und seine Nachfolgerin Daniela Busche. Außerdem stehen Marcel Litfin, Frank-Thomas Schmidt und Lars Zeugner unter dem Schreiben. Es ging per E-Mail an Michael Kitschun, Leiter Fahrplan- und Kapazitätsmanagement für die Region Nord bei der DB InfraGO, an Nicole Grummini, Geschäftsführerin der S-Bahn Hannover, und an Regionsrat Ulf-Birger Franz von der Region Hannover.
Sorge um überfüllte Züge auf der S3
Vom geplanten Wegfall haben die Unterzeichnenden nach eigenen Angaben „mit großem Ärger“ in der letzten Beiratssitzung der S-Bahn Hannover erfahren. Dass umfangreiche Sanierungen im Schienennetz nötig sind, stellen sie nicht in Frage. Nicht akzeptieren könnten sie aber eine Planung, bei der die Folgen für die Fahrgäste offenbar nachrangig behandelt würden. Auf einen angemessenen Ersatzverkehr zu verzichten und die Fahrgäste auf bestehende Verbindungen zu verweisen, sei keine annehmbare Lösung – zumal unbekannt sei, ob diese Züge die zusätzlichen Fahrgäste zuverlässig aufnehmen könnten.
Die Menschen in Sehnde, Harsum und Algermissen seien auf eine gut funktionierende S3 angewiesen, heißt es in dem Brief. Auf diese Linie sei bereits 2026 häufig kein Verlass gewesen. Ohne adäquaten Ersatz für die S4 werde es auf der ohnehin ausgelasteten S3 zu überfüllten Zügen kommen. Die Bürgermeister befürchten, dass das Vertrauen in den Nahverkehr weiter sinkt und die Menschen verstärkt auf das eigene Auto zurückgreifen. Das wäre aus ihrer Sicht ein Rückschritt für die Verkehrswende.
Verstärkerzüge den ganzen Tag
Für den Fall, dass die S4 tatsächlich entfällt, halten die Unterzeichnenden den ganztägigen Einsatz von Verstärkerzügen auf der S3 für zwingend erforderlich. Die S3 dann ausschließlich in Zweiertraktion fahren zu lassen, sei aus ihrer Sicht selbstverständlich. Von den Adressaten erwarten sie eine transparente Kommunikation und eine direkte Information der Kommunen.
Bildquellen
- S-Bahn im Bahnhof Hannover Messe/Laatzen: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- S-Bahn der Linie S51 im Hauptbahnhof Hannover: Clic
- Stadtbahnstation Kröpcke in Hannover: Tim Rademacher
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