Die Polizeidirektion Hannover hat am Sonntag, 1. November 2026, eine vorläufige Bilanz ihres Einsatzes vom Samstag, 31. Oktober 2026, gezogen. Im gesamten Stadtgebiet von Hannover begleitete sie nach eigenen Angaben fünf angezeigte und spontane Versammlungen und das Halloween-Geschehen. Schwerpunkt war die Demonstration „Gen Z regelt: Jugendprotest gegen Militarisierung“ mit bis zu 5.800 Teilnehmenden.
„Gen Z regelt“: Pyrotechnik und eine Biker-Gruppierung am Rand
Der Aufzug startete laut Polizei verspätet auf dem Ernst-August-Platz, weil einige Teilnehmende ihre Gesichter verdeckt hatten. Wegen des Vermummungsverbots mussten sie die Vermummung ablegen, was sich während des Aufzugs mehrfach wiederholt habe. Die Zwischenkundgebung fand am Steintorplatz statt, die Abschlusskundgebung auf dem Klagesmarkt. Während des Aufzugs seien mehrfach Nebeltöpfe und Pyrotechnik gezündet worden; die Polizei ermittelte nach eigenen Angaben einzelne mutmaßliche Täter und stellte deren Identitäten fest. Dafür musste der Aufzug mehrmals kurzzeitig gestoppt werden.
Nach Ende der Versammlung wurde laut Polizei von einzelnen Personen Pyrotechnik gezündet. Dabei seien zwei Beamte mit Böllern beworfen worden, einer von ihnen wurde leicht verletzt und bleibt dienstfähig. Die Tatverdächtigen konnten bislang nicht ermittelt werden. Gegen die Versammlungsleitung leitete die Polizei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein: Sie habe wegen einer „völlig unzureichenden“ Ordnerzahl nur sehr begrenzt Einfluss auf die Versammlung nehmen können, auf das Erfordernis sei sie bereits einen Tag zuvor im Kooperationsgespräch hingewiesen worden.
In der Fußgängerzone zwischen Steintor und Ernst-August-Platz stellte die Polizei außerdem etwa 30 bis 50 Personen aus dem Umfeld einer Biker-Gruppierung fest, die einheitliche weiße Armbinden mit einer „markanten Aufschrift“ trugen. In einer Gefährderansprache bei einem führenden Mitglied habe die Polizei deutlich gemacht, dass ein geschlossenes Auftreten mit diesen Armbinden in der Innenstadt nicht geduldet werde; danach seien die Armbinden abgelegt worden. Als der Aufzug an einem Pub am Steintor vorbeizog, trennte die Polizei beide Gruppen mit Funkstreifenwagen und einer Polizeikette. Zu Störungen des Aufzugs sei es nicht gekommen.
Zu den weiteren Versammlungen nennt die Polizei: Beim Aufzug „Gegen das Trans-Register in BW“ liefen 50 Personen von der Lutherkirche zum Küchengarten. Eine nicht angezeigte Versammlung „Menschenrechte im Iran“ am Kröpcke hatte fünf bis zehn Teilnehmende; die Polizei leitete wegen der fehlenden Anzeige ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Versammlungsleitung ein. Unbekannte versuchten laut Polizei, eine gezeigte Flagge zu stehlen, zwei Jugendliche beleidigten einen Teilnehmer.
Halloween: Brandflaschen in Ricklingen
In Ricklingen entdeckten Einsatzkräfte bei Kontrollen nach Polizeiangaben mehrfach selbst gebaute Spreng- und Brandvorrichtungen, darunter mit Benzin und Pyrotechnik präparierte Flaschen. Als Beschuldigte ermittelte die Polizei zwei Jugendliche. Gesamteinsatzleiter Polizeidirektor Tobias Giesbert sagte: „Mit dem Fund in Ricklingen haben wir eine neue, hochgefährliche Dimension erreicht.“ Solche Taten würden konsequent verfolgt.
Aus mehreren Stadtteilen meldet die Polizei weitere Einsätze. In Vahrenheide brannten mehrere Container, in Misburg ein Wohnmobil, ein weiterer Containerbrand folgte an der Leipziger/Dresdener Straße, wo drei jugendliche Tatverdächtige vorläufig festgenommen wurden. An der Noltemeyerbrücke ertappte die Polizei sechs bis sieben Jugendliche, die zuvor Fahrradschlösser geknackt und Räder in den Mittellandkanal geworfen haben sollen. In Laatzen beschädigten Jugendliche auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums mehrere geparkte Autos. Einsatzkräfte unterstützten das Polizeikommissariat Ronnenberg, nachdem dort Kinder mit Böllern beworfen worden waren. Ein Beschuldigter wurde festgenommen, mehrere verbotene Böller wurden sichergestellt.
Bilanz in Zahlen
Die Polizei führte nach eigenen Angaben 189 Durchsuchungen von Personen und 43 Gefährderansprachen durch, es gab drei vorläufige Festnahmen und 16 Sicherstellungen oder Beschlagnahmen. Die Einsatzkräfte wandten 55-mal einfache körperliche Gewalt durch Schieben an und führten fünf Fesselungen durch. Insgesamt leitete die Polizei 31 Ermittlungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren ein, darunter zehn Verstöße gegen das Waffengesetz und sechs gegen die Sprengstoffverordnung.
Giesbert sagte außerdem: „Der überwiegende Teil der Bevölkerung war friedlich unterwegs, um Halloween zu feiern oder Versammlungsrechte wahrzunehmen.“ Das Präventionsangebot „Gaming-Koffer“ nutzten laut Polizei in der Spitze bis zu 50 Jugendliche gleichzeitig, insgesamt seien rund 150 Jugendliche betreut worden.
Die Mitteilung der Polizeidirektion Hannover vom Sonntag, 1. November 2026, ist auf presseportal.de abrufbar.
Bildquellen
- proklima-gesellschafter-2026: proKlima
- S-Bahn im Bahnhof Hannover Messe/Laatzen: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Selbst gebaute Brandvorrichtung aus einer Flasche in Ricklingen: Polizeidirektion Hannover
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