Gespielte Patienten: Seit 20 Jahren üben Medizinstudierende in Hannover

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Eigentlich kommt sie nur zum jährlichen Check-up. Doch seit einigen Monaten schlafen ihr nachts immer wieder die Hände ein. „Plötzlich fallen mir einfach so Gegenstände aus der Hand“, berichtet die Patientin. Die junge Ärztin tastet die Hände ab, macht ein paar Tests und fragt nach. Am Ende steht die Diagnose fest: Karpaltunnelsyndrom. Gestellt hat sie Tessa Pfeffer, Medizinstudentin im dritten Studienjahr an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Ihr gegenüber sitzt Simulationspatientin Anita Pape-Schön, 78 Jahre alt. Das Gespräch war nur gespielt, damit die Studentin in einer möglichst realistischen Situation selbst eine Anamnese durchführen und eine Diagnose stellen kann.

Rund 80 Simulationspatientinnen und Simulationspatienten stehen an der MHH derzeit zur Verfügung. Mit ihnen üben Studierende ärztliche Gesprächsführung, Kommunikation in schwierigen Situationen und körperliche Untersuchungen. Geschult und vorbereitet werden sie vom Team des Simulationspatientenprogramms der MHH (SPP-MHH). Geleitet wird es von Prof. Dr. Thomas von Lengerke mit seinem Team der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie. Als Vorteile nennt die MHH vor allem den Schutz echter Patientinnen und Patienten, unterschiedlich schwierige Rollen, die sich wiederholen lassen, verlässliche Prüfungen und qualifiziertes Feedback.

Seit mehr als 15 Jahren dabei

Pape-Schön gehört seit mehr als 15 Jahren zum Programm. „Ich bin damals über einen Freund dazugekommen, der ganz begeistert davon berichtet hat. Ich konnte mir das damals gut für meine Zeit im Ruhestand vorstellen“, erzählt die Hannoveranerin. „Der Kontakt zur jüngeren Generation war mir schon immer wichtig. Hier kann ich mich einbringen und den jungen Studierenden dabei auch noch helfen.“ Ihre Termine finden meist in den Übungsräumen des Skills Lab der MHH statt.

Tessa Pfeffer hat gerade ihre mündlich-praktischen OSCE-Prüfungen hinter sich, in denen neben Untersuchungen und Fachbegriffen auch die strukturierte ärztliche Gesprächsführung geprüft wird. Die Übungen mit den Simulationspatienten hätten ihr bei der Vorbereitung darauf und auf die spätere Praxis sehr geholfen, sagt sie. „Sie haben mir vor allem gezeigt, dass es neben fachlichen Fähigkeiten genauso wichtig ist, auf den einzelnen Menschen und die jeweilige Situation eingehen zu können.“

Adrian Anders ist seit zwei Jahren dabei und stellt sein schauspielerisches Talent nach Angaben der MHH gern für die Lehre zur Verfügung. „Ganz nebenbei lerne ich dabei auch noch ganz viel über Krankheiten und meinen eigenen Körper“, sagt er.

Vom Modellstudiengang in viele Fächer

Ins Leben gerufen hat das Programm vor 20 Jahren die Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie, zum Start des Modellstudiengangs HannibaL. Von Lengerke hat es aufgebaut und betreut es seitdem. „Die Simulationspatienten stellen sich unseren Studierenden für Übungen zur Verfügung, damit sie Handlungskompetenzen aufbauen können, die für ihre spätere ärztliche Tätigkeit wichtig sind“, erklärt der Psychologe.

Zunächst waren die Simulationspatienten im Modul Diagnostische Methoden und in den OSCE-Prüfungen vorgesehen. Nach und nach kamen weitere Module und Wahlfächer hinzu, ebenso andere Studiengänge der MHH wie Zahnmedizin, Public Health und Hebammenwissenschaft. Inzwischen werden sie auch in der Ausbildung von Diätassistentinnen und Diätassistenten eingesetzt und bei Kenntnisprüfungen der Ärztekammer Niedersachsen für Ärztinnen und Ärzte, die ihre Ausbildung im Ausland abgeschlossen haben. „Wir können an der MHH auf Simulationspatienten in der Lehre gar nicht mehr verzichten“, sagt von Lengerke. Koordiniert wird das Programm von der Psychologin Svenja Kümmel. Nach ihren Worten kommen die Simulationspatienten in Lehre und Prüfungen zum Einsatz, etwa bei der Anamnese, bei simulierten körperlichen Untersuchungen oder beim Überbringen schwieriger oder schlechter Nachrichten und bestimmter Diagnosen.

Bewerbungen jederzeit möglich

Die MHH sucht weitere Simulationspatientinnen und Simulationspatienten. Gefragt sind Kontaktfreude und Spaß an der Schauspielerei, außerdem die Bereitschaft und die Möglichkeit, unter der Woche eingesetzt zu werden. Bewerbungen sind online unter https://www.mhh.de/simulationspatienten/ oder per Mail an simulationspatienten@mh-hannover.de möglich.

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