Zwei niedersächsische Einrichtungen arbeiten in einem europäischen Forschungsprojekt daran, Impfstoffe schneller verfügbar zu machen. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) gehören zum internationalen Konsortium von PREPAIR-VAC, wie die MHH mitteilt. Das Projekt soll die Zeit zwischen dem Auftreten neuer Virusvarianten und der Entwicklung eines passenden Impfstoffs deutlich verkürzen.
Dafür ist eine KI-gestützte Entwicklungsplattform vorgesehen. Sie soll zentrale Schritte der Impfstoffentwicklung unterstützen, von der Vorhersage, wie sich ein Virus verändert, bis zur Herstellung. Auch bei bekannten Erregern wie Influenza sollen Impfstoffe so schneller an neue Varianten angepasst werden können. Nach Angaben der MHH dauert dieser Prozess derzeit mehrere Monate, in denen die Viren weiter mutieren und die Wirksamkeit von Impfungen sinken kann.
650.000 Euro für Hannover
Gefördert wird das Projekt im Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon Europe“ der Europäischen Union. Von insgesamt 6,57 Millionen Euro gehen rund zehn Prozent, etwa 650.000 Euro, nach Hannover. PREPAIR-VAC läuft bis August 2030.
Prof. Dr. Dr. Sabine Salloch, Direktorin des Instituts für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin der MHH, untersucht gemeinsam mit dem NLGA ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen beim Einsatz KI-gestützter Impfstofftechnologien. Das Landesgesundheitsamt baut unter anderem eine Influenza-Sequenzdatenbank auf, mit Informationen zum Erbgut Hunderttausender Viren als Grundlage für das Training der KI. Am Ende sollen konkrete Handlungsempfehlungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst und die Gesundheitspolitik stehen.
MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner sieht in dem gemeinsamen Antrag „ein Vorbild für zukünftige Kooperationen“. NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil verweist auf die Corona-Pandemie: „In der Corona-Pandemie haben wirksame Impfstoffe einen Wendepunkt eingeleitet, der weltweit etliche Leben gerettet hat. In dieser Entwicklung schneller zu werden, ist in künftigen infektiologischen Notlagen essenziell.“
Partner in fünf Ländern
PREPAIR-VAC steht für „PREParedness using Artificial Intelligence for Rapid VACcine design“. Koordiniert wird das Projekt von der European Vaccine Initiative in Deutschland. Neben MHH und NLGA arbeiten Croda Denmark A/S (Dänemark), NEC Bio Therapeutics GmbH (Deutschland), NEC OncoImmunity AS (Norwegen), NEVEZYNE SAS (Frankreich), die Université Jean Monnet in Saint-Étienne (Frankreich) und die Universität Uppsala (Schweden) mit.
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