Zehn Jahre Heckrinder im Toten Moor: Herde pflegt 100 Hektar Naturschutzgebiet

2 Min. Lesezeit.

Aus fünf Tieren sind rund 45 geworden. Im Juni 2016 zogen drei Kühe und zwei Kälber auf erste Flächen am Nordrand des Toten Moores, heute pflegen rund 45 ausgewachsene Heckrinder und Kälber etwa 100 Hektar des Naturschutzgebiets. Die ganzjährige Beweidung hält die Landschaft offen, drängt die invasive Späte Traubenkirsche zurück und schafft Lebensräume für Pflanzen und Tiere, teilt die Region Hannover mit. Das Gemeinschaftsprojekt der Region, der Serengeti-Park Stiftung und des Schneerener Landwirts Stephan Ruhnow-Thieße soll fortgeführt werden.

„Aus einem Versuch ist in zehn Jahren ein erfolgreiches Naturschutzprojekt geworden“, sagt Mark Herrmann, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover.

Delia ist von Anfang an dabei

Die Idee entstand 2015. Eine Kuh aus der Anfangsherde lebt noch heute im Toten Moor: Delia, mit 19 Jahren die Seniorin der Herde. Kurz nach dem Start kam Bulle Ludger hinzu. Zunächst sollte im kleinen Maßstab erprobt werden, ob die robusten Tiere die Grünlandflächen offenhalten und zugleich die Späte Traubenkirsche zurückdrängen können. Nach positiven Erfahrungen wurden nach und nach weitere Flächen aufgenommen.

„Wir haben bewusst klein angefangen und zunächst geschaut, wie sich die Beweidung auf die Flächen auswirkt“, sagt Jörg Schneider, Projektverantwortlicher in der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover.

Traubenkirsche kein relevantes Problem mehr

Die aus Nordamerika stammende Späte Traubenkirsche kann dichte Bestände bilden und heimische Arten verdrängen. Sie von Hand zu bekämpfen, ist auf großen Flächen arbeits- und kostenintensiv. Die Heckrinder fressen sie gezielt. Auf den beweideten Flächen ist sie nach Angaben der Region inzwischen so weit zurückgedrängt, dass sie dort kein relevantes Problem mehr darstellt.

Offene Bodenstellen und der Dung der Tiere bieten Lebensraum und Nahrung für viele Arten. Davon profitieren unter anderem lichtbedürftige Pflanzen und Insekten wie Feldgrillen, Heuschrecken und Mistkäfer. Auch Fledermäuse, Neuntöter und Wiedehopf kommen auf den beweideten Flächen vermehrt vor. Ein Biologe beobachtet die Pflanzenbestände und die Entwicklung der Vegetation. Auf dieser Grundlage wird die Beweidungsstärke angepasst.

Heckrinder sind eine Abbildzüchtung des 1627 ausgestorbenen Auerochsen. Sie gelten als robust und genügsam und können ganzjährig im Freien leben. Neben Gras fressen sie auch Gehölze und übernehmen so Arbeit, die sonst Maschinen oder aufwendige Handarbeit erledigen müssten.

Konik-Pferde sollen Birken kurz halten

Die Beweidung soll fortgesetzt und nach Möglichkeit auf weitere geeignete Flächen ausgeweitet werden. Um Inzucht zu vermeiden, wird der Deckbulle regelmäßig ausgetauscht. Künftig helfen Konik-Pferde aus einem Naturschutzprojekt in Nordrhein-Westfalen mit. Die halbwilde Rasse verbeißt vor allem nachwachsende Birken gezielter als Heckrinder. Zwei Stuten und ihre Fohlen sollen so zusätzlich dazu beitragen, die Flächen offen zu halten.

Die Aufgaben sind verteilt. Die Region stellt die Flächen bereit und finanziert Zäune und Geräte. Die Serengeti-Park Stiftung hat die ersten Rinder eingebracht und trägt die laufenden Betreuungskosten. Landwirt Ruhnow-Thieße kümmert sich seit Beginn um die Herde und die kilometerlangen Zäune. Weil zu den Flächen teilweise Wald gehört, ist die Waldbehörde eingebunden. Für die Beweidung dieser Flächen wurde eine naturschutzfachlich begründete Ausnahme ermöglicht.

„Heckrinder sind robuste Nutztiere, die hier ganzjährig Landschaftspflege übernehmen“, sagt Ruhnow-Thieße. Das Fleisch der Tiere sei in seinem Hofladen erhältlich.

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