In Niedersachsen sind im Jahr 2025 insgesamt 65 Verfahren wegen Organisierter Kriminalität bearbeitet worden. Das geht aus dem Lagebild von Polizei und Justiz hervor, das Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann am Montag, 2. November 2026, vorgestellt haben. Ermittelt wurde gegen 635 Tatverdächtige aus 41 Staaten, Deutsche stellen mit 36,38 Prozent den größten Anteil.
Die Polizei Niedersachsen führte 48 dieser Verfahren. Hinzu kamen 17 Ermittlungskomplexe im Auftrag niedersächsischer Staatsanwaltschaften: elf vom Zoll, fünf von der Bundespolizei, einer vom Bundeskriminalamt. 23 Verfahren drehten sich um den internationalen Rauschgifthandel und -schmuggel. Auch der Vertrieb über Seewege, Internet und Darknet spiele dabei eine Rolle, heißt es von den Ministerien.
Schaden über dem Vorjahreswert
Den hochgerechneten Gesamtschaden beziffert das Lagebild auf 48,85 Millionen Euro. Das liegt über dem Vorjahreswert, aber deutlich unter dem Niveau bis 2023. Der geschätzte Ertrag blieb mit 27,72 Millionen Euro nahezu konstant. Die Sicherheitsbehörden schöpften ca. 5 Millionen Euro ab, ein Schwerpunkt der Finanzermittlungen liegt laut Mitteilung bei Kryptowährungen.
„Wir sorgen konsequent dafür, dass sich Straftaten nicht lohnen“, sagte Wahlmann. Behrens verwies darauf, dass Niedersachsen bei der Gesamtzahl der geführten Verfahren weiterhin Platz 2 im Ländervergleich belege.
Clans: acht Verfahren, 102 Tatverdächtige
Clankriminalität werten die Behörden als eigenes Phänomen, das Schnittmengen mit der Organisierten Kriminalität aufweist. Im Bereich der Organisierten Kriminalität liefen 2025 acht Verfahren gegen 102 Tatverdächtige mit Clanbezügen. Die Hauptaktivität lag mit 62 Prozent bei der Wirtschaftskriminalität, ermittelt wurde unter anderem wegen verschiedener Betrugsarten und Geldwäsche.
Cybercrime: Täter ohne feste Gruppen
Im Bereich Cybercrime blieb es wie im Vorjahr bei vier Verfahren. Viele geprüfte Fälle entsprächen nicht den Kriterien der Definition, heißt es zur Begründung, weil es sich regelmäßig um projektbezogene Täterstrukturen ohne feste Gruppierungen handle. Die Ministerien beobachten eine zunehmende Professionalisierung krimineller Dienstleistungen, das sogenannte „Crime-as-a-Service“.
Jugendliche als angeworbene Gewalttäter
Besonders hervor hebt das Lagebild „Violence-as-a-Service“. Dabei würden zumeist unerfahrene Jugendliche und junge Erwachsene im Internet für schwerste Gewalthandlungen angeworben, etwa gegen Personen oder gegen Gebäude. In Niedersachsen würden zunehmend Straftaten bekannt, die Überschneidungen damit und mit dem Phänomen aufwiesen, das die Behörden als „Türkischstämmige Organisierte Kriminalität“ bezeichnen. Für 2025 findet sich laut Mitteilung allerdings noch kein Verfahren in der Statistik, das eindeutig der Türkischstämmigen Organisierten Kriminalität zugeordnet wurde.
Behrens fordert IP-Speicherung
Behrens forderte „rechtssichere und praxistaugliche Regelungen zur Speicherung von IP-Adressen“. Auch Initiativen auf Bundesebene zu automatisierter Datenanalyse und biometrischem Bildabgleich unterstütze das Land. „Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden“, sagte die Ministerin.
Bildquellen
- Niedersächsisches Innenministerium, Lavesallee Hannover: Christian A. Schröder (ChristianSchd) via Wikimedia Commons
- Julia Willie Hamburg (Grüne), Pressefoto: Bündnis 90/Die Grünen Niedersachsen (Pressefoto)
- Kriminaltechnische Übung auf einer nachgestellten Fanmeile in Marokko: Landeskriminalamt Niedersachsen
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