MHH Hannover meldet erste erfolgreiche Genkorrektur bei Stoffwechselkrankheit

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Ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sieben Erkrankte per Genkorrektur behandelt, nach MHH-Angaben erstmals erfolgreich. Es geht um den Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM), eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die vor allem Lunge und Leber schädigt und in Europa schätzungsweise 120.000 Menschen betrifft. Eine ursächliche Therapie gebe es bislang nicht, teilt die Medizinische Hochschule Hannover mit.

Die Behandlung lief in Zusammenarbeit mit dem Renji Krankenhaus in Shanghai. Erste Ergebnisse zu Sicherheit und Effizienz sind in der Fachzeitschrift „Journal of Hepatology“ erschienen. Zugelassen ist die Therapie noch nicht.

Ein falscher Baustein im Erbgut

Durch den Gendefekt wird das Schutzeiweiß Alpha-1-Antitrypsin nur fehlerhaft hergestellt. Es entsteht hauptsächlich in der Leber und gelangt über das Blut in die Lunge, wo es das Gewebe vor dem Abbau durch körpereigene Enzyme schützt. „Wie die meisten angeborenen genetischen Erkrankungen beruht auch der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel darauf, dass ein einziger winziger Baustein in der DNA, eine sogenannte Base, falsch eingebaut ist“, erklärt Prof. Dr. Michael Ott, Oberarzt an der Klinik für Gastroenterologie und Leiter des Labors für Zell- und Gentherapie.

Bei vielen Gentherapien wird eine intakte Kopie des defekten Gens in die Zelle eingeschleust. Das MHH-Team setzt dagegen bei der Mutation selbst an. Mit der als „Genschere“ bekannten CRISPR/Cas9-Technologie und einem mitgeführten biotechnologischen Werkzeug veränderten die Forschenden gezielt den fehlerhaften Baustein in den Leberzellen, die das Eiweiß bilden. Das Verfahren heißt Base-Editing. Laut MHH startet die Zelle danach ihr natürliches Reparaturprogramm und baut das korrekte Gegenstück auch im zweiten DNA-Strang ein, ohne dass es zu einem Doppelstrangbruch kommt.

Warum sieben Erkrankte nach Shanghai flogen

Die Krankheit kommt laut MHH vor allem in Europa und den USA vor, in Asien ist sie selten. Deshalb schickte die Hochschule sieben Patientinnen und Patienten mit ärztlicher Begleitung nach Shanghai. Die Kosten übernahm nach Angaben der MHH eine chinesische Firma, die die Methode des Base-Editing weiter verbessert hat und darauf die Patente hält.

Patientin: „Wie ein Sechser im Lotto“

Eine der Behandelten ist die 55-jährige Katrin H. aus Hannover. Sie litt seit Jahren an Luftnot, 2011 wurde an der MHH die Krankheit festgestellt. Die Symptome sind nach Worten von Privatdozentin Dr. Nora Drick, Funktionsoberärztin an der Klinik für Pneumologie, meist unspezifisch. „Oft wird die Erkrankung anfangs mit Asthma bronchiale verwechselt“, sagt sie.

Katrin H. bekam das fehlende Eiweiß zunächst jede Woche über die Vene. „Die Behandlung hat aber wenig gebracht, die Krankheit ist trotzdem langsam und unaufhörlich vorangeschritten“, sagt sie. Im März 2026 flog sie nach Shanghai, blieb dort vier Wochen und erhielt eine Infusion mit dem neuen Gentherapeutikum. Blutuntersuchungen zeigten laut MHH, dass ihr Körper wieder funktionsfähiges Alpha-1-Antitrypsin bildet. Nebenwirkungen habe es nicht gegeben, die wöchentliche Therapie brauche sie seitdem nicht mehr. „Das ist für mich wie ein Sechser im Lotto“, sagt Katrin H.

Bereits entstandene Schäden an Lunge und Leber kann die Gentherapie nicht rückgängig machen. Die MHH schreibt, die Patientin dürfe hoffen, dass ihre Erkrankung gestoppt ist und sich ihr Zustand nicht weiter verschlechtert.

Studie soll 2027 in Hannover weiterlaufen

Professor Ott hält den Ansatz langfristig auch bei anderen angeborenen genetischen Lebererkrankungen für anwendbar, bei denen eine einzelne Base in der DNA ausgetauscht werden muss. Anfang 2027 soll die klinische Studie an der MHH fortgesetzt werden, Flüge nach Shanghai wären für Betroffene dann laut Hochschule nicht mehr nötig.

Bildquellen

  • Zwei Radiologen der MHH beurteilen an Monitoren eine CT-Aufnahme der Lunge: Karin Kaiser/MHH

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