Vier Patienten mit Pilzvergiftung, einer von ihnen gestorben: Die Medizinische Hochschule Hannover warnt Sammler vor dem Knollenblätterpilz.
In diesem Herbst erlitten laut Mitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vom Dienstag, 3. November 2026, bisher vier Patienten eine Pilzvergiftung. Zwei überlebten dank eines Gegengifts, einer erhielt erfolgreich eine neue Leber, der vierte starb. Die MHH meldet eine Zunahme schwerer Vergiftungsfälle. Die Pilzsaison habe in diesem Jahr spät begonnen.
Hauptverursacher der Vergiftungen ist nach Angaben der Hochschule der Knollenblätterpilz. Viele Betroffene stammen laut MHH aus Ländern wie Russland, der Ukraine, dem Nahen Osten und Afghanistan. „In den Heimatländern der Betroffenen ist der Knollenblätterpilz weniger verbreitet. Hier in Deutschland wird aufgrund von Unkenntnis die Gefahr des Pilzesammelns oft nicht ausreichend ernst genommen“, sagt Prof. Dr. Richard Taubert, Bereichsleiter Transplantationshepatologie an der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie.
Gift wirkt erst nach mehreren Stunden
Der Knollenblätterpilz ist laut MHH einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Sein Gift wirke erst mehrere Stunden nach dem Verzehr, wenn es bereits im ganzen Körper aufgenommen sei. Zunächst träten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, ähnlich wie bei einer Magen-Darm-Infektion. Nach ein bis zwei Tagen werde die Leber geschädigt, begleitet werden könne das von Störungen der Blutgerinnung und der Nierenfunktion. „Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben der Patienten retten kann“, sagt Taubert.
Apps bieten laut MHH keinen verlässlichen Schutz
Wer Pilze nicht sicher bestimmen könne, riskiere Vergiftungen und Leberversagen, warnt die Hochschule. Auch Pilz-Apps oder Bestimmungsbücher böten keinen verlässlichen Schutz vor Verwechslungen. Sammler sollten ihre Funde vor dem Verzehr von Pilzsachverständigen bestimmen lassen. Das Giftinformationszentrum Nord rät darüber hinaus, vor dem Pilzesuchen Schulungen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zu besuchen; dadurch lasse sich die Artenkenntnis verbessern.
Bei Verdacht den Notarzt rufen
Besteht der Verdacht auf eine Pilzvergiftung, sollte laut MHH dringend der Notarzt gerufen werden. Pilzreste und Erbrochenes sollten aufgehoben werden, das erleichtere die Diagnose. Schon beim Verdacht auf eine Knollenblätterpilzvergiftung beginne die Behandlung mit dem Gegengift, der Nachweis des Giftes im Urin bestätige die Vergiftung oder schließe sie aus. Das Giftinformationszentrum Nord ist rund um die Uhr unter (0551) 19240 erreichbar.
Bildquellen
- Grüne Knollenblätterpilze: Andreas Kunze/Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.
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