Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat zwei neue Simulationssäle mit 92 digitalen Übungsplätzen für die Zahnmedizin fertiggestellt. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs nahm den zweiten Saal am Dienstag, 3. November 2026, offiziell in Betrieb; der erste war im August 2025 fertig geworden. „Wir als Land investieren hier mehr als 13 Millionen Euro“, sagte Mohrs laut Mitteilung der MHH.
Bevor Studierende der Zahnmedizin Patientinnen und Patienten behandeln, üben sie an Modellen. An den sogenannten Phantomköpfen sollen sie laut MHH alle nötigen Fertigkeiten lernen. Fertiggestellt wurden die Säle im laufenden Hochschulbetrieb. Das Projekt sei planmäßig innerhalb des Budgets fertiggestellt worden, erklärte Architekt Lutz Jürgens, der die Projektleitung hatte.
Vom Zahn am Modell bis zur gefrästen Krone
Alle Phantomeinheiten hängen an einem didaktischen Netzwerk. Bild- und Lehrinhalte aus verschiedenen Kameraperspektiven und von unterschiedlichen Computerarbeitsplätzen lassen sich so direkt auf die Monitore der einzelnen Einheiten übertragen, wie Prof. Dr. Meike Stiesch erklärte, Direktorin der Klinik für Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde. Demonstrationen über Mikroskop und Kamera erreichen nach Angaben von Prof. Dr. Nadine Schlüter, Geschäftsführender Direktorin des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, zeitgleich alle Arbeitsplätze.
Am Phantomkopf bereiten die Studierenden Zähne für Kronen oder Brücken vor und erfassen sie anschließend mit Intraoralscannern digital, schilderte Stiesch. Aus diesen Daten konstruieren sie den Zahnersatz am Computer, fertigen ihn im Fräsverfahren an und können ihn danach am Phantomkopf einsetzen. An besonderen Einheiten lassen sich laut Schlüter auch individuelle Patientenfälle auf Basis intraoraler Scans als virtuelle Behandlung simulieren. Erlernen könnten die Studierenden so einen Großteil der Maßnahmen, sogar sehr komplexe Behandlungen wie die Wurzelkanalbehandlung.
Neue Approbationsordnung machte den Bau dringender
Der vorherige Phantomkursraum wurde an der MHH seit 1993 genutzt. Neben dem Sanierungsbedarf nennt die Hochschule die neue Zahnärztliche Approbationsordnung als Grund für die Baumaßnahme: Das Studium teilt sich demnach in drei statt bisher zwei Abschnitte. Das bedeute mehr Unterricht in Kleingruppen, höheren Prüfungsaufwand und weniger Studierende pro Lehrenden.
Für die MHH ist es laut Jürgens die erste große Maßnahme als Bauherrin. Die Bauherrenverantwortung für ihre Liegenschaft hat sie Anfang 2023 vom Staatlichen Baumanagement Niedersachsen übernommen. Genutzt werden die Säle vorwiegend von der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde sowie von der Klinik für Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde.
Bildquellen
- Grüne Knollenblätterpilze: Andreas Kunze/Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.
- Zwei Radiologen der MHH beurteilen an Monitoren eine CT-Aufnahme der Lunge: Karin Kaiser/MHH
- Minister Mohrs am Phantomkopf im Simulationssaal der MHH: Karin Kaiser/MHH
Nachrichten, Warnungen und Termine aus Hannover und der Region: Folgen Sie der Hannoverschen Rundschau auf Instagram und Facebook.
Auf Instagram folgenAuf Facebook folgenSie lesen gern lokale Nachrichten aus der Region Hannover? Wählen Sie die Hannoversche Rundschau bei Google als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Meldungen unter „Schlagzeilen“ häufiger.
Hannoversche Rundschau bei Google bevorzugen