Am Opernplatz in Hannover soll ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma entstehen, der Entwurf steht fest. Der Förderverein Sinti und Roma Holocaust-Mahnmal Hannover stellte am Donnerstag, 5. November 2026, den Beitrag „Die Stimme der Abwesenden“ von Małgorzata Mirga-Tas vor, wie er über die Landeshauptstadt Hannover mitteilte. Dabei waren Oberbürgermeister Belit Onay, Regionspräsidentin Eva Bender, Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.
Zwei Mahnmale in Sichtweite
Das neue Mahnmal soll in Sichtweite zum Mahnmal für die jüdischen Opfer der Shoa stehen. Laut Förderverein entstehe so ein „einzigartiger Erinnerungsort im Herzen Hannovers“, an dem zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen den beiden Völkermorden „aus rassischen Gründen“ deutlich werde.
Der Entwurf sei „ein erinnerungskultureller Meilenstein“, sagte Oberbürgermeister Onay und verwies auf bestehende Gedenkorte wie im Altwarmbüchener Moor. „Die Sinti und Roma waren lange eine vergessene Opfergruppe, nun wird ihr Leiden an dieser zentralen Stelle gewürdigt“, sagte er. Regionspräsidentin Bender nannte die Gedenkstätte Ahlem als Ort, der an die nationalsozialistische Verfolgung erinnert. Die Region unterstütze das Vorhaben.
Schwarzer Stahl und ein gebrochener Rhythmus
Das Mahnmal soll laut Pressemappe aus schwarzem, verzinktem Stahl gefertigt werden. Die Figuren sollen in natürlicher Größe entstehen, die Bäume eine Höhe von etwa drei Metern erreichen. Die Figuren seien keine Porträts bestimmter Personen, schreibt die Künstlerin in ihrem Konzept, die Bäume stünden für eine Zuflucht für die Seelen der Ermordeten. Die schwarzen Vögel gehen auf das Romanes-Lied der Erinnerung an Auschwitz zurück, „Aušvicate hi kher báro“. Eine zweite Anregung ist die Dichtung von Bronisława Wajs, genannt Papusza, insbesondere „Blutige Tränen“.
Ein quadratischer Sockel nimmt die Geometrie des Platzes auf, eine Linie durchschneidet sie. Die Figuren stehen schräg zum Hauptweg. Diese Störung des Rhythmus versteht Mirga-Tas als Metapher für den gewaltsamen Abbruch des Lebens der Roma und Sinti. Im Konzept erinnert sie daran, dass Heinrich Himmler im Dezember 1942 die Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau anordnete; ab Februar 1943 wurden Tausende Menschen dorthin verschleppt.
Die Künstlerin vertrat Polen 2022 auf der 59. Biennale von Venedig, laut Pressemappe als erste Roma-Künstlerin, die ein Land vertrat. Zum internationalen Wettbewerb waren Künstlerinnen und Künstler aus Polen, der Slowakei, Albanien, Bosnien-Herzegowina und Holland eingeladen. Er fand mit Unterstützung des Stadtbezirksrats Mitte, der Region Hannover und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur statt.
Finanzierung über Spenden, Sponsoren und Stiftungen
Wie das jüdische Mahnmal soll auch dieses über Spenden, Sponsoren und Stiftungen finanziert werden. Erste Spenden seien eingegangen, darunter von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, teilte der Förderverein mit. Onay wünschte dem Projekt „eine breite Unterstützung aus der Stadtgesellschaft“, um die Umsetzung zu ermöglichen.
Alle Beiträge des Wettbewerbs sind ab Dienstag, 10. November 2026, im ZeitZentrum Zivilcourage am Theodor-Lessing-Platz 1A zu sehen.
Bildquellen
- Neue Synagoge Hannover, Ansichtskarte um 1900: Unbekannt / Wikimedia Commons
- Portikus des Leineschlosses in Hannover: Garitzko / Wikimedia Commons
- Maurerkelle im Mörtel: Craig Sunter / Wikimedia Commons
- Üstra-Stadtbahn an einem Hochbahnsteig im Schnee: ÜSTRA
- mahnmal-sinti-roma-hannover-modell: Małgorzata Mirga-Tas
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